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Unsere Insekten brauchen dringend Schutz

Fragen Sie mal Ihre älteren Verwandten, wie viele Insekten früher nach einer schnellen Autofahrt auf der Windschutzscheibe klebten und wie wenige Insekten man heute noch auf der Scheibe findet! – Ein drastisches Beispiel für das Aussterben der Insekten!

Wir alle können die Insekten schützen durch ein größeres Nahrungsangebot und die Reduzierung von Pflanzengiften. – Und wir müssen auch unsere Gewohnheiten ändern. Im Frühsommer, wenn Honigbienen und Wildbienen verstärkt auf Nahrungssuche sind, gibt es nur noch wenige Blüten und reifes Obst steht noch nicht zur Verfügung. Gerade dann werden aber im großen Stil die Wiesen mitsamt den Blumen für die Heuernte gemäht – und die Bienen verhungern fast.

Ob ein bunter Blumengarten und eine artenreiche Wiese besser sind für Insekten, oder ein kurz geschnittener Rasen oder gar ein Steingarten, der sich in der Sonne aufheizt, können sie jetzt selbst beurteilen.    

Honigbienen und Wildbienen

Es gibt weltweit nur knapp zehn Arten von Honigbienen und die meisten davon leben in Asien. Unterarten der bei uns heimischen Honigbiene werden auf der ganzen Welt in der Imkerei eingesetzt.

Im Gegensatz zu den wenigen Arten der Honigbiene gibt es allein in Europa mehr als 2.500 Arten von Wildbienen. Mehr als 550 Arten davon leben in Deutschland. Zu den Wildbienen rechnet man auch die Hummeln.

Wildbienen unterscheiden sich deutlich von den Honigbienen. Aber auch die Arten der Wildbienen unterscheiden sich ganz beträchtlich. Es gibt schwarze, schwarz-gelbe oder auch rot-braun gefärbte Wildbienen die pelzig oder schwach behaart sein können.

Lebensraum der Honigbienen

Honigbienen leben fast ausschließlich in Bienenstöcken. Zur Hochsaison im späten Frühling und im frühen Sommer sind die Honigbienen besonders fleißig.

In einem gesunden Bienenvolk lebt im Sommer eine Königin mit ungefähr 50.000 Arbeitsbienen, die sich im Winter auf ca. 7.000 reduzieren. Außerdem hat das Volk etwa  1.000 Drohnen, die männlichen Bienen, die nur im Sommer vorkommen.

Bei etwa 13 mm Körpergröße wiegt eine einzelne Arbeitsbiene etwas weniger als 1 g und erreicht im Flug eine Geschwindigkeit von bis zu 30 km/h. Bei einer Lufttemperatur von mindestens 10° C verlassen die Flugbienen tagsüber den Bienenstock, um sich innerhalb eines Aktionsradius von etwa 3 bis 5 km auf die Suche nach Nektar und Honigtau zu begeben.

Um drei Kilogramm Nektar zu sammeln, müssen die Bienen etwa 3 bis 5 Millionen Blüten anfliegen. Aus 3 kg Nektar wird nach dem Veredlungsprozess etwa ein Kilogramm Honig. Die Menge an Nektar, die eine Biene von einem Sammelflug heimbringt, ist sehr gering, da ihr Honigmagen kaum größer als ein Stecknadelkopf ist. Etwa 60-mal müsste eine Biene ihren Magen aus den Blüten vollpumpen und wieder entleeren, um einen Fingerhut zu füllen. Das Nektartröpfchen, das die einzelne Blüte bietet, ist noch viel kleiner, und die Sammlerin muss an die 1.000 Einzelblüten anfliegen, um ihren Magen einmal zu füllen (Quelle: Karl von Frisch, Aus dem Leben der Bienen, Springer-Verlag, 1977)

Lebensbedingungen der diversen Wildbienenarten

Im Gegensatz zu Honigbienen leben Wildbienen meist als Einzelgänger. Die verschiedenen Wildbienenarten haben ganz unterschiedliche Nistplätze. Mehr als 75 % der Wildbienenarten nisten unter der Erde. Oft nutzen sie Gänge von anderen Insekten als Bruthöhle. Einige Wildbienen graben sich selbst Niströhren in die Erde und bevorzugen dafür Sand und lehmhaltige Böden. Weitere Nistplätze bieten morsches Holz, Pflanzenstängel und andere Behausungen, die von anderen Insekten verlassen wurden.

Viele Wildbienen nisten in „Wildbienenhotels“, die mit unbehandelten Holzblöcken mit stirnseitig gebohrten glatten Löchern versehen wurden oder in Röhrchen aus Schilf oder Bambus, die jedoch innen glatt sein müssen, da sie sich sonst die Flügel verletzen können. An der Art, wie die Wildbienen ihr Nest zum Schutz verschließen, kann man erkennen, um welche Bienenart es sich vermutlich handelt.

Futter für Honigbienen und Wildbienen

Die meisten Wildbienenarten legen sich auf eine bestimmte Pflanzensorte fest. Dies gilt auch für die Honigbienen. Die Blüten und Pflanzen liefern den Bienen Nahrung und brauchen ihrerseits die Bestäubung durch die Bienen. Damit sind beide voneinander abhängig und ein Eingriff in die Umwelt hat deshalb gravierende Folgen.

Wildbienen haben bei der Futtersuche einen Aktionsradius von lediglich 100 bis 500 Metern von ihrem Nest. Deshalb nisten sie an Plätzen, wo sie Nistgelegenheiten und die passende Nahrungsquelle finden.

Verglichen damit haben Honigbienen einen deutlich größeren Aktionsradius von 3 bis 5 Kilometern. Blütenstaub und Nektar dienen den Honigbienen als Nahrung. Der Nektar wird zu Honig verarbeitet und dient als Vorrat für den Winter. Allein lebende Wildbienen stellen dagegen keinen Honig her; sie verspeisen direkt den gefundenen Nektar.

Wie kann man Insekten und Wildbienen schützen?

Vorschläge für Nisthilfen für Wildbienen finden Sie auf unseren Fotos. Die Nisthilfe muss nach Süden oder Südosten ausgerichtet und vor Wind und Regen geschützt sein.

Außer einem Nistplatz sollte man den Bienen auch das passende Nahrungsangebot bieten. Einheimische und nektarreiche Pflanzen, die zeitversetzt blühen sind besonders hilfreich. Da Bienen und Wildbienen meist auf bestimmte Pflanzen fixiert sind, sollte das Nahrungsangebot möglichst vielfältig sein.  

Statt einer Sorte von Geranien sind bunte Blumen in den Balkonkästen sehr hilfreich. Geranien am Balkongeländer werden manchmal von Wildbienen, aber selten von Honigbienen besucht. Manchmal kommen die Wespen auch auf den Frühstückstisch und schneiden sich mit ihren Beißwerkzeugen kleine Bissen von Wurst und Schinken ab. Manchmal müssen sie dann mit der „schweren Last“ mehrere Runden drehen, bis sie die Höhe des Balkongeländers erreichen und weiterfliegen können.

Heute haben wir nur noch wenige Geranien und dazwischen eine bunte Blumenmischung in den Balkonkästen. Nun kommen Wildbienen, Hummeln, Honigbienen, Taubenschwänzchen und andere bunte Schmetterlinge und wir bleiben am Tisch ungestört.

Im Garten kann man verschiedene Kräuter wie Thymian, Salbei, Rosmarin, Majoran und so weiter anpflanzen. Blühende Gemüsesorten wie Zwiebeln, Lauch und verschiedene Kohlsorten sind sehr hilfreich.

Bienen lieben übrigens besonders den Löwenzahn, den wir meist aus unseren gepflegten Rasenflächen verbannen!

Apfelbäume, Kirsch- und Birnbäume. blühende Ziersträucher und Obstbüsche mit  Johannisbeeren, Stachelbeeren und so weiter bieten unzählige Blüten für die Bienen und Insekten und tragen damit zur Erhaltung der Insektenarten bei.

Obst- und Gartenbauverein Lichtenstein – Werner Neubrander – 15. Sept. 2022

Fotos: Werner Neubrander